Enchanted cards of 1806 Empress Maria Theresa, 1750 Mozart, and The Fool in a library.

Kurzgeschichte des Tarockspiels

„Königrufen“ eine spezielle Form des Tarock, ist immaterielles Kulturerbe. Es wurde am 2. April 2024 offiziell in die internationale Liste der UNESCO aufgenommen!

Das Tarockspiel entstand vermutlich im 15. Jahrhundert in Italien als Kartenspiel für den Adel. Die ältesten Karten waren handbemalt und vergoldet, was auf die Nutzung im höfischen Umfeld hindeutet. Das sogenannte „Hofämterspiel“ entstand um 1450 und ist eines der ältesten erhaltenen Kartenspiele.

Von Italien aus verbreitete sich das Spiel in die Schweiz und nach Frankreich. Das erste bekannte Tarockspiel das in der Schweiz geschaffen wurde, stammt aus dem Jahr 1718.

Schließlich verbreitete sich das Spiel innerhalb der ganzen Habsburgermonarchie wo sich viele Varianten entwickelten, darunter Strohmandln, Zwanzigerrufen. Die Weiterentwicklung „Königrufen“ wurde zum Nationalspiel der Donaumonarchie, sodass Friedrich Torberg ihr den Spitznamen „Tarockanien“ verlieh. Bekannte Personen wie Marie von Ebner-Eschenbach, Mozart, Goethe, Sigmund Freud oder die Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“) waren begeisterte Tarockierer. Johann Nepomuk Nestroy, der bedeutendste Satiriker des Wiener Biedermeier, verewigte Tarock besonders prominent in der Posse „Zu ebener Erde und im ersten Stock“. Lore Krainer (1930–2020), die „Grande Dame“ des österreichischen Kabaretts, war eine der leidenschaftlichsten und bekanntesten Tarockspielerinnen Österreichs. Sie wurde oft als die „Doyenne des österreichischen Tarock“ bezeichnet.

Tarock wird heutzutage vor allem in Österreich, Deutschland (Bayern) Frankreich (bezeichnet als Tarot), in der Schweiz (Troccas, Troggu) und einigen Nachfolgestaaten der Monarchie (Tschechien, Slowenien, Ungarn, Polen, Rumänien) gespielt. Da auch innerhalb der Varianten verschiedenste lokale Spezialitäten gespielt werden, ist es wichtig, sich vor Spielantritt über die Hausregeln zu informieren.

Bekannteste Varianten:
Königrufen: Die am weitesten verbreitete Variante
Zwanzigerrufen: Hauptsächlich im Osten Österreichs
Eggenberger Tarock: Weit verbreitete, spezielle Variante des Königrufens
Skoty: eine Variante des Königrufens die vor allem, aber nicht nur in Tirol weit verbreitet ist
Strohmandeln: Eine Variante für zwei Spieler
Tapp-Tarock: Eine klassische 3-Personen-Variante
Französisches Tarock (Tarot): Eine Version mit 78 Karten
Bayerisches Tarock: Wird mit einem bayerischen 36 Karten Blatt gespielt und unterscheidet sich stark von den alpinen Varianten.

_______________________________________________


Aus dem ältesten, ausschließlich dem Thema Königrufen gewidmete Buch aus dem Jahre 1840 „Gründliche und leichtfaßliche Anleitung zur baldigen Erlernung des beliebten Tarock-Königrufen, oder die Kunst, dasselbe in kurzer Zeit nach Regeln und Beispielen theoretisch und praktisch spielen zu lernen“

Mischen, Abheben, Klopfen, Ausgeben der Karten:
Das Abheben oder Klopfen kann in dem Falle verweigert und das nochmalige Mischen verlangt werden, – wenn die Karten nicht ordentlich und bequem zum Abheben hingelegt worden wären.

Beim Klopfen berührt man mit Einem Finger die oberste der Karten.

Beim Abheben müssen wenigstens drei Blätter von oben herunter oder von unten hinauf gehoben werden, dagegen darf auch nicht öfters als höchstens drei Mal coupirt, d. h. das Spiel Karten in nicht mehr als drei Theile getheilt werden, widrigens der Abheber die Consulation eines einfachen Dreiers an jedem der Uebrigen verliert.

Bei allen Arten des Vergebens kann kein Spiel gemacht werden, sondern der Fehlende verliert an jedem der Uebrigen die Consulation eines einfachen Dreiers; dagegen kommt das Kartengeben an den Nächsten. (ui ganz schön teuer!)

Benehmen beim Spiele:
Man setze sich nie mit der Hoffnung oder wohl gar mit dem Vorsatze nieder, um zu gewinnen, denn man wird sich nur zu oft selbst täuschen, – im Gegentheile berechne man sorgfältig seine Barschaft und überlege wie viel man verlieren kann, ohne sich wehe zu thun, und ob man im unglücklichsten Falle, mit den nöthigen Geldmitteln hinlänglich versehen sey.

Wer im Gewinne übermüthig und im Verluste mürrisch wird, gilt für einen unangenehmen Gesellschafter. Jener, welcher alles besser wissen und immer kritisiren will, wird sich als anmaßend bloß stellen. (ähh ja, das gilt auch heute noch!)

„Bei Hofe speisen“ dürfen jende Könige, die von Tarock überstochen werden

„Für die Küche“ sorgt man, wenn man möglichst viele Punkte in den Talon ablegt.

Ein „Wohlfeiler Stich“ ist einer, den man mit einem kleinen Tarock oder einer niederen Farbkarte bekommt.